Landesverband Sachsen

Fachtag „Kinderschutz inklusiv gedacht – Chancen und Herausforderungen in der Praxis“ C1/2026

„Badende“, Ronny Pitzius, Atelier FARBIG

Ab 2028 gilt die Integration des SGB IX im SGB VIII. Für Verwaltung und für Fachkräfte stellen sich damit viele Fragen: Wie kann inklusiver Kinderschutz gelingen, der allen Kindern gerecht wird? In welchen Schritten und mit welchen Maßnahmen soll die Umsetzungen in Sachsen erfolgen? Gibt es bereits jetzt gute Beispiele aus der Praxis?

Der praxisorientierte Fachtag bietet neben interessanten Vorträgen die Möglichkeit der Vernetzung und des Austausches von Fachkräften aus den Bereichen der Kinder- und Jugendhilfe, der Hilfen aus SGB IX sowie aus der öffentlichen Verwaltung und den freien Trägern. Er ermöglicht einen Einblick in den aktuellen Stand von Inklusion, gesetzlicher Entwicklung und der Umsetzung in die Praxis. Es werden Perspektiven und praxistaugliche Wege aufgezeigt, um den Kinderschutz in Sachsen inklusiv voranzubringen.

Ziel:     

  • Wissensvermittlung, Handlungssicherheit für Fachkräfte bei Kinderschutz für junge Menschen mit Beeinträchtigung
  • Sensibilisierung, Bewusstseinsbildung, Vernetzung
  • Wissen um Leistungen, die Gefährdungen abmildern
  • Wissen um gelingende Arbeit, Chancen und Herausforderung im inklusiven Kinderschutz

Inhalt:
 am Vormittag erwarten sie Vorträge zum Thema:

„Vom Gesetz zur Praxis: Wege zu einer inklusiven Kinder- und Jugendhilfe in Sachsen“ 
von Enrico Birkner, Leiter des Landesjugendamtes Sachsen 

von Prof. Beate Naake, Professur für Recht und Verwaltung der Evangelischen Hochschule Dresden

„Unterstützungsmöglichkeiten für Personen mit Beeinträchtigung“
von Bianca Schubert von der Lebenshilfe Dresden

 am Nachmittag gibt es 10 Workshops

Jeder Workshop dauert 45 Minuten  und wird zweimal am Tag für Sie durchgeführt, um 13:30 Uhr und um 14:30 Uhr.  
Bitte melden Sie sich für zwei verschiedene Workshops an und geben Sie Ihre Prioritäten beim Anmeldeprozess mit an.

Workshop 1: Auf dem Weg zum „Inklusiven Jugendamt“ 
mit Dr. Jens Wetzel vom Jugendamt Dresden und Jugendhilfeplaner und Projektmanager „Inklusives Jugendamt“

Inhalt: 2024 hat sich das Jugendamt der Landeshauptstadt auf den Weg gemacht, die „Inklusive Lösung“ vorfristig ab 2026 umzusetzen. Inzwischen hat dieser Prozess einen zentralen Meilenstein erreicht: das Jugendamt hat die Gesamtzuständigkeit für alle Kinder und Jugendlichen übernommen. Gleichzeitig gilt es aber weiterhin, die inklusive Öffnung der Kinder- und Jugendhilfe in Dresden voranzutreiben.

Workshop 2: Kindeswohlgefährdungen im Kontext Behinderung professionell einschätzen
mit Franziska Hofmann, Beauftragte Person für Kinderschutz und Qualität bei der tandem BTL gGmbH – freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe in Berlin

Inhalt: Um junge Menschen zu schützen, müssen bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung nach § 8a SGB VIII im Kontext Behinderung Beobachtungen und Informationen präzise eingeschätzt werden. In dem Workshop erhalten Sie einen Einblick in drei inklusive Orientierungshilfen (Risikoeinschätzung, Indikatoren-Katalog, Basiswissen), die dazu dienen, Aspekte von Kindeswohlgefährdung zu beurteilen. Der Transfer in die Praxis wird durch das Heranziehen eines Fallbeispiels erfolgen.

Workshop 3: Systemischer Blick auf das Familiensystem
mit Kathrin Pursche von der Lebenshilfe Dresden e.V., Bereich Hilfen zur Erziehung sowie Koordinatorin im Programm KINDER STÄRKEN 2.0

Inhalt: Ein systemischer Blick auf Familien mit einem Kind mit Behinderung oder einer Beeinträchtigung zeigt, wie stark alle Familienmitglieder in die Herausforderungen eingebunden sind und wie sich Rollen, Beziehungen und unausgesprochene Erwartungen verändern können. Im Workshop erkunden wir typische Belastungsmuster, stärken die Wahrnehmung für Ressourcen und reflektieren gemeinsam unsere Haltungen. Ziel ist es, neue Perspektiven für Entlastung, Verständnis und Unterstützung im Familiensystem zu gewinnen.

Workshop 4: Ambulante Hilfe inklusiv gedacht am Bsp. des ambulant betreuten Familienwohnens der Lebenshilfe Dresden
mit Antje Bachmann, Abteilungsleitung (§§27,30,31,35a und 41 SGBVIII), Maria Paul, Teamleitung betreutes Familienwohnen (§§27,31 SGB VIII) und Timea Breiter, begleitete Elternschaft SGBIX

Inhalt: Das Angebot Betreutes Familienwohnen der Lebenshilfe Dresden umfasst eine ambulant, intensive Betreuung und Begleitung im eigenen Wohnraum und beinhaltet eine individuelle Unterstützung der Eltern mit Lernschwierigkeiten und deren Kinder. Dabei unterstützen wir bei den alltäglichen Herausforderungen in der Elternschaft und beraten bei der Führung eines weitgehend selbständigen Familienlebens. Dabei steht die Förderung der Entwicklung der Kinder und der Schutz des Kindeswohls im Vordergrund. Die Eltern haben die Möglichkeit Unterstützung bei der Erziehung ihrer Kinder nach SGB VIII und die alltagsnahe Assistenzleistung Begleitete Elternschaft nach SGB IX zu erhalten, mit dem Ziel, die elterlichen Kompetenzen und Fähigkeiten zu stärken, um eine stabile, liebevolle und kindeswohldienliche Erziehung im eigenen Wohnraum zu ermöglichen. 

Workshop 5: Neurodivergente Perspektiven im Kinderschutz – zuhören, verstehen, handeln
mit Andrea Federolf, Autismusambulanz des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus 

Inhalt: Junge Menschen im Autismus-Spektrum begegnen Fachkräften im Kinderschutz oft mit eigenen Ausdrucksformen und Bedürfnissen. Werden diese missverstanden, kann das zu Fehleinschätzungen führen – etwa bei der Einschätzung von Belastung, Gefährdung oder einem möglichen Unterstützungsbedarf nach § 35a SGB VIII. Für Fachkräfte ist es daher wichtig, neurodivergente Wahrnehmungs- und Kommunikationsweisen zu erkennen und in die Beurteilung einzubeziehen. Ein sensibler Blick hilft, Situationen differenzierter zu verstehen und passende Hilfen frühzeitig anzustoßen. Die Autismusambulanz Dresden stellt ihre Arbeit mit jungen Menschen und ihren Familien vor und zeigt, wie Kooperation zwischen Kinderschutz, Jugendhilfe, Schule und weiteren Fachdiensten gelingen kann. Gemeinsam mit den Teilnehmenden werden praxisnahe Ansätze und Erfahrungen ausgetauscht.

Workshop 6: Eingliederungshilfe bei (drohender) seelischer Beeinträchtigung – medizinische Begutachtung und Einschätzung seelischer Gesundheit nach §35a SGB VIII
mit Dr. med. Britta Hummel, Fachärztin Kinder- und Jugendpsychiatrie, Landeshauptstadt Dresden, Amt für Gesundheit und Prävention, Abt. Kinder- und Jugendgesundheit, Vorstandsmitglied des Kinderschutzbund Landesverband Sachsen e.V. 

Inhalt: Mit Blick auf die Integration des SGB IX ins SGB VIII gibt der Workshop einen praxisnahen Einblick in zentrale medizinische Aspekte der Eingliederungshilfe für Kinder und Jugendliche. Im Mittelpunkt stehen Zugangsvoraussetzungen, medizinische Diagnostik und Gutachtenprozesse sowie Anforderungen an Empfehlungen und Berichte. Beleuchtet werden zudem typische Herausforderungen und förderliche Faktoren in der Zusammenarbeit mit Ärzten, Kliniken und Beratungsstellen. Fallbeispiele und Austausch eröffnen Raum für Orientierung und praxisnahes Lernen.

Workshop 7: Vorstellung der Verfahrenslotsin nach §10b SGB VIII
mit Nadin Müller vom Jugendamt Chemnitz , Verfahrenslotsin
 

Inhalt: Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Behinderung und ihre Familien müssen sich im Alltag immer größeren Herausforderungen stellen. Mit dem Kinder- und Jugendstärkungsgesetz (KJSG), dass im Juni 2021 in Kraft getreten ist, sind erste Vorbereitungen in der „inklusiven Lösung“ vorgenommen worden. Der Verfahrenslotse wurde als zweiter Schritt zum 01.01.2024 unter dem Dach des Jugendamtes eingeführt und erfüllt die in §10b nach SGB VIII festgelegten Aufgaben.

Workshop 8: Inklusiver Kinderschutz in der Schule – junge Menschen stärken, Kooperation gestalten
mit Marit Sammet, Schulsozialarbeit an der Förderschule für Erziehungshilfe „Kurt Biedermann“ der Stadt Leipzig zur Unterrichtung von Lernenden mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung

Inhalt: Inklusiver Kinderschutz bedeutet, alle jungen Menschen – mit und ohne Behinderung – in ihrer Entwicklung wahrzunehmen, zu unterstützen und zu schützen. Ausgangspunkt des Workshops ist ein Praxisbeispiel aus der schulischen Arbeit mit jungen Menschen mit unterschiedlichen Unterstützungsbedarfen. Daran wird sichtbar, wie Kinderschutz, Teilhabe und Persönlichkeitsstärkung im schulischen Alltag zusammenwirken können – insbesondere im sozialen und emotionalen Bereich. Im Mittelpunkt stehen Fragen der Zusammenarbeit: Wie gelingt ein verlässliches und respektvolles Miteinander von Schulsozialarbeit, Lehrkräften, Schulleitung und weiteren Fachkräften? Wie können schulische Angebote mit Partner_innen im Sozialraum gut vernetzt werden? Welche Rolle spielen Eltern, Sorgeberechtigte und das pädagogische Personal der Schule im gemeinsamen Schutzauftrag? Der Workshop lädt dazu ein, das Praxisbeispiel mit eigenen Erfahrungen zu verknüpfen und gemeinsam praxisnahe Ansätze für eine abgestimmte, kindeswohldienliche und inklusive Zusammenarbeit zu entwickeln.

Workshop 9: Diskriminierung erkennen und handeln. Fokus: Kinder mit Behinderung
mit Dr. Anyela Urrego (sie/ihr), Bereich Bildungsarbeit beim Antidiskriminierungsbüro Sachsen e.V.
 

Inhalt: In diesem Workshop setzen sich die Teilnehmenden mit verschiedenen Formen von Diskriminierung auseinander, die Kinder mit Behinderung im Alltag, in Bildungsinstitutionen und im sozialen Umfeld erfahren können. Ziel ist es, ein Bewusstsein für bewusste und unbewusste Ausgrenzungsmechanismen zu schaffen und konkrete Handlungsstrategien zu entwickeln, um diesen aktiv entgegenzuwirken. Es werden Themen wie Alltagsdiskriminierung: Wie sie aussieht – und oft übersehen wird, Reflexion eigener Haltungen und institutioneller Strukturen sowie Handlungsmöglichkeiten für Fachkräfte, Pädagog_innen und Bezugspersonen besprochen.

Workshop 10: Prävention sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche mit Behinderungen
mit Christiane Hentschker-Bringt, Syst. Paar- und Familientherapeutin (DGSF), Insoweit erfahrene Fachkraft (Spezialisierung sexualisierte Gewalt) von der 
Landesarbeitsgemeinschaft Sexualisierte Gewalt – Prävention und Intervention in Sachsen e.V.

Inhalt: Kinder und Jugendliche mit Behinderungen sind überdurchschnittlich häufig von sexualisierter Gewalt betroffen. In diesem Workshop werden die spezifischen Risikofaktoren dieser Zielgruppe und deren strukturelle Bedingungen beleuchtet. Anhand des Präventionsprogramms Ben und Stella wird aufgezeigt, wie Fachkräfte Kinder und Jugendliche mit Behinderungen wirksam stärken und schützen können. Der Workshop legt dabei den Schwerpunkt auf konkrete Präventionsmaßnahmen im pädagogischen Alltag sowie auf institutionelle Voraussetzungen für nachhaltigen Kinderschutz.

Unterstützungsmöglichkeiten (bitte unbedingt mit angeben):
• Kognitive Beeinträchtigung: kostenfreie Teilnahme für persönliche Assistent_innen  (bitte Namen mit angeben)
• Hörbeeinträchtigung: Gebärdendolmetscher möglich
• Sehbeeinträchtigung:  Audioumsetzer möglich
• Bewegungsbeeinträchtigung: rollstuhlgeeignete Räumlichkeiten / WCs
• zugelassene Assistenztiere bitte anmelden

Sie haben andere Unterstützungsbedarfe? Bitte sprechen Sie uns an, wir möchten gern Ihre Teilnahme ermöglichen.

Zielgruppe:
Der Fachtag richtet sich an Fachkräfte, Mitarbeitende im öffentlichen Dienst und bei freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe sowie des SGB IX, aber auch an Mitarbeitende in Verwaltung und Politik.

Organisation:
Dieses Angebot basiert auf einer Kooperation zwischen Kinderschutzbund Landesverband Sachsen e.V., Lebenshilfe Dresden e.V. und Evangelischer Hochschule Dresden. 

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Hinweis zum Bestellablauf

Im zweiten Schritt der Bestellung müssen Sie Ihre Wünsche für die Workshops angeben (um 13:30 Uhr und 14:30 Uhr). 
WICHTIG: Bitte verwenden Sie dazu die jeweiligen Nummern der Workshops (siehe oben). Nur so kann das System Sie richtig einbuchen.

Die Anzahl der freien Workshop-Plätze ist auf  15 Teilnehmende begrenzt. Wir vergeben die Plätze in den Workshops nach der Reihenfolge der Anmeldung. Einen Anspruch auf einen bestimmten Workshop können wir leider nicht gewähren.
 Geben Sie deswegen bitte auch immer alternative Workshop-Nummern mit an.

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C1/2026
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Verfügbare Tickets: 31

3 Vorträge vormittags inkl. 2 Workshops nachmittags

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Datum

03. März 2026

Uhrzeit

9:30 - 15:30

Preis

95,00 €

Standort

Evangelische Hochschule Dresden (ehs)
Dürerstraße 25, 01307 Dresden

Veranstalter

Der Kinderschutzbund Landesverband Sachsen e.V.
Telefon
0351 - 42 42 044
E-Mail
info@kinderschutzbund-sachsen.de
Webseite
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