Nachbetrachtung und Dokumentation des Kooperationsfachtages „Kinderschutz inklusiv gedacht – Chancen und Herausforderungen in der Praxis“.

DKSB Landesverband Sachsen

Dienstag, 3. März 2026

10:00 – 15:30 Uhr

Evangelische Hochschule Dresden

Dürerstraße 25, 01307 Dresden

„Badende“, Ronny Pitzius, Atelier FARBIG

Ab 2028 gilt die Integration des SGB IX im SGB VIII. Für Verwaltung und für Fachkräfte stellen sich damit viele Fragen: Wie kann inklusiver Kinderschutz gelingen, der allen Kindern gerecht wird? In welchen Schritten und mit welchen Maßnahmen soll die Umsetzungen in Sachsen erfolgen? Gibt es bereits jetzt gute Beispiele aus der Praxis?

Der praxisorientierte Fachtag bietet neben interessanten Vorträgen die Möglichkeit der Vernetzung und des Austausches von Fachkräften aus den Bereichen der Kinder- und Jugendhilfe, der Hilfen aus SGB IX sowie aus der öffentlichen Verwaltung und den freien Trägern.

Programm

Eröffnung und Moderation – Vertretung DKSB & Lebenshilfe

Mike Zorn, Bereichsleiter Begleitung, Familie, Bildung Lebenshilfe Dresden e.V.
Olaf Boye, Geschäftsführer Der Kinderschutzbund LV Sachsen e.V.

Grußworte der Kooperationspartner_innen

Prof. Dr. Marc Witzel, Evangelische Hochschule Dresden (ehs) Professur für Wissenschaft Sozialer Arbeit
Dr. Britta Hummel Der Kinderschutzbund LV Sachsen e.V., Vorstand
Beate Kursitza-Graf Lebenshilfe Dresden e.V. – Geschäftsführerin

Vorträge

Inklusiver Kinderschutz – Begriffsklärung, Haltung und fachliche Perspektiven

Beate Naake, Professur für Recht und Verwaltung Evangelische Hochschule Dresden

Leider musste dieser Vortrag kurzfristig entfallen. Sie finden die Inhalte des Vortrags in folgender PDF.

Die inklusive Reform des SGB VIII stellt die Kinder- und Jugendhilfe vor neue Herausforderungen und eröffnet zugleich Chancen für eine gerechtere Gestaltung von Hilfen. In ihrem Vortrag (als PDF) beleuchtete die Professorin zentrale Begrifflichkeiten rund um den „inklusiven Kinderschutz“.

Damit leistete sie einen wichtigen Beitrag zur fachlichen Orientierung in einem komplexen Reformprozess und stärkte zugleich die Perspektive von Kindern und Jugendlichen in unterschiedlichen Lebenslagen.

„Vom Gesetz zur Praxis: Wege zu einer inklusiven Kinder- und Jugendhilfe in Sachsen“

Enrico Birkner Leiter Landesjugendamt Sachsen

Der Beitrag richtete den Blick auf die gesetzlichen Grundlagen und den Umsetzungsstand der inklusiven Lösung in Sachsen.

Herr Birkner ordnete die strukturellen Entwicklungen ein und zeigte auf, welche Auswirkungen diese auf die Praxis der Jugendhilfe haben. Damit erhielten wir einen wichtigen Rahmen für die anschließenden vertiefenden Diskussionen.

„Unterstützungsmöglichkeiten für Personen mit Beeinträchtigung“

Bianca Schubert Servicestelle Lebenshilfe Dresden e.V.

In diesem Fachbeitrag standen Netzwerke, Unterstützungsstrukturen und klare Verfahrensabläufe im Mittelpunkt. Frau Schubert zeigte auf, wie Fachkräfte Orientierung finden können und welche Angebote Familien in komplexen Lebenslagen konkret entlasten.

Damit richteten wir den Blick auf die praktische Zusammenarbeit, die für einen funktionierenden inklusiven Kinderschutz unverzichtbar ist.

Mittagspause

Übergang zu den Workshops, 2 Durchläufe

Workshops

1 - Auf dem Weg zum „Inklusiven Jugendamt

Beschreibung

Im Jahr 2024 machte sich das Jugendamt der Landeshauptstadt Dresden auf den Weg, die „Inklusive Lösung“ vorzeitig ab 2026 umzusetzen. Inzwischen wurde ein zentraler Meilenstein in diesem Prozess erreicht: Das Jugendamt übernahm die Gesamtzuständigkeit für alle Kinder und Jugendlichen. Zugleich wurde die inklusive Öffnung der Kinder- und Jugendhilfe in Dresden weiter vorangetrieben.

Dr. Jens Wetzel Jugendamt Dresden Jugendhilfeplaner und Projektmanager „Inklusives Jugendamt

2 - Kindeswohlgefährdungen im Kontext Behinderung professionell einschätzen

Beschreibung

Um junge Menschen zu schützen, wurden im Workshop Beobachtungen und Informationen bei Verdacht auf eine Kindeswohlgefährdung nach § 8a SGB VIII im Kontext von Behinderung präzise eingeschätzt. Die Teilnehmenden erhielten einen Einblick in drei inklusive Orientierungshilfen – Risikoeinschätzung, Indikatoren-Katalog und Basiswissen –, die dabei unterstützen, mögliche Aspekte einer Kindeswohlgefährdung fachlich zu beurteilen. Der Transfer in die Praxis erfolgte anhand eines Fallbeispiels.

Franziska Hofmann Dipl. Soz. Päd. (FH)
MA Leitung, Bildung, Diversität (FH); iseF
Beauftragte Person für Kinderschutz und Qualität bei der tandem BTL gGmbH – freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe in Berlin

3 - Systemischer Blick auf das Familiensystem

Beschreibung

Ein systemischer Blick auf Familien mit einem Kind mit Behinderung oder Beeinträchtigung verdeutlichte, wie stark alle Familienmitglieder in die Herausforderungen eingebunden sind und wie sich Rollen, Beziehungen und unausgesprochene Erwartungen verändern können. Im Workshop wurden typische Belastungsmuster betrachtet, die Wahrnehmung vorhandener Ressourcen gestärkt und unterschiedliche Haltungen gemeinsam reflektiert. Auf diese Weise konnten neue Perspektiven für Entlastung, Verständnis und Unterstützung im Familiensystem gewonnen werden.

Kathrin Pursche
Lebenshilfe Dresden e.V., Hilfen zur Erziehung
KBS, Koordinatorin im Programm Kinder Stärken 2.0

4 - Ambulante Hilfe inklusiv gedacht am Beispiel des ambulant betreuten Familienwohnens der Lebenshilfe DD

Beschreibung

Das Angebot „Betreutes Familienwohnen“ der Lebenshilfe Dresden umfasste eine intensive ambulante Betreuung und Begleitung im eigenen Wohnraum. Eltern mit Lernschwierigkeiten und ihre Kinder erhielten dabei eine individuelle Unterstützung. Die Familien wurden bei den alltäglichen Herausforderungen der Elternschaft begleitet und bei der Gestaltung eines weitgehend selbstständigen Familienlebens beraten.
Im Mittelpunkt stand die Förderung der kindlichen Entwicklung und der Schutz des Kindeswohls. Die Eltern konnten sowohl Unterstützung bei der Erziehung ihrer Kinder nach dem SGB VIII als auch die alltagsnahe Assistenzleistung „Begleitete Elternschaft“ nach dem SGB IX in Anspruch nehmen. Ziel war es, die elterlichen Kompetenzen und Fähigkeiten zu stärken und dadurch eine stabile, liebevolle und am Kindeswohl orientierte Erziehung im eigenen Wohnraum zu ermöglichen.

Antje Bachmann, Abteilungsleitung (§§27,30,31,35a und 41 SGBVIII)
Maria Paul Teamleitung betreutes Familienwohnen (§§27&31 SGB VIII)Timea Breiter (begleitete Elternschaft SGBIX)

5 - Neurodivergente Perspektiven im Kinderschutz – zuhören, verstehen, handeln

Beschreibung

Junge Menschen im Autismus-Spektrum begegneten Fachkräften im Kinderschutz häufig mit eigenen Ausdrucksformen und Bedürfnissen. Im Workshop wurde verdeutlicht, dass Missverständnisse zu Fehleinschätzungen führen können – etwa bei der Beurteilung von Belastungen, Gefährdungen oder eines möglichen Unterstützungsbedarfs nach § 35a SGB VIII.
Die Teilnehmenden setzten sich damit auseinander, neurodivergente Wahrnehmungs- und Kommunikationsweisen zu erkennen und angemessen in fachliche Einschätzungen einzubeziehen. Ein sensibler und differenzierter Blick auf die jeweilige Situation wurde dabei als wichtige Grundlage für die frühzeitige Einleitung passender Hilfen herausgestellt.
Die Autismusambulanz Dresden stellte ihre Arbeit mit jungen Menschen und ihren Familien vor und zeigte Möglichkeiten einer gelingenden Kooperation zwischen Kinderschutz, Jugendhilfe, Schule und weiteren Fachdiensten auf. Gemeinsam wurden praxisnahe Ansätze und Erfahrungen ausgetauscht.

Andrea Federolf,  Autismusambulanz des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden

6 - Eingliederungshilfe bei (drohender) seelischer Beeinträchtigung – medizinische Begutachtung und Einschätzung seelischer Gesundheit nach §35a SGB VIII

Beschreibung

Mit Blick auf die Integration des SGB IX in das SGB VIII gab der Workshop einen praxisnahen Einblick in zentrale medizinische Aspekte der Eingliederungshilfe für Kinder und Jugendliche. Im Mittelpunkt standen die Zugangsvoraussetzungen, die medizinische Diagnostik und die Gutachtenprozesse sowie die Anforderungen an Empfehlungen und Berichte. Darüber hinaus wurden typische Herausforderungen und förderliche Faktoren in der Zusammenarbeit mit Ärztinnen und Ärzten, Kliniken und Beratungsstellen beleuchtet. Fallbeispiele und der gemeinsame Austausch boten Raum für Orientierung und praxisnahes Lernen.

Dr. med. Britta Hummel, Fachärztin Kinder- und Jugendpsychiatrie, Landeshauptstadt Dresden, Geschäftsbereich Arbeit, Soziales, Gesundheit und Wohnen, Amt für Gesundheit und Prävention, Abt. Kinder- und Jugendgesundheit, Vorstandsmitglied Kinderschutzbund Landesverband Sachsen e.V

7 - Vorstellung der Verfahrenslotsin nach §10b SGB VIII

Beschreibung

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Behinderung sowie ihre Familien waren im Alltag mit zunehmend großen Herausforderungen konfrontiert. Mit dem Kinder- und Jugendstärkungsgesetz (KJSG), das im Juni 2021 in Kraft trat, wurden erste Voraussetzungen für die Umsetzung der „Inklusiven Lösung“ geschaffen. Als weiterer Schritt wurde zum 1. Januar 2024 der Verfahrenslotse unter dem Dach des Jugendamtes eingeführt. Dieser übernahm die in § 10b SGB VIII festgelegten Aufgaben.

Nadin Müller, Jugendamt Chemnitz, Verfahrenslotsin

8 - Inklusiver Kinderschutz in der Schule – junge Menschen stärken, Kooperation gestalten

Beschreibung

Inklusiver Kinderschutz bedeutete, alle jungen Menschen – mit und ohne Behinderung – in ihrer Entwicklung wahrzunehmen, zu unterstützen und zu schützen. Ausgangspunkt des Workshops war ein Praxisbeispiel aus der schulischen Arbeit mit jungen Menschen mit unterschiedlichen Unterstützungsbedarfen. Daran wurde sichtbar, wie Kinderschutz, Teilhabe und Persönlichkeitsstärkung im schulischen Alltag zusammenwirken konnten – insbesondere im sozialen und emotionalen Bereich.
Im Mittelpunkt standen Fragen der Zusammenarbeit: Wie konnte ein verlässliches und respektvolles Miteinander von Schulsozialarbeit, Lehrkräften, Schulleitung und weiteren Fachkräften gelingen? Wie ließen sich schulische Angebote mit Partner_innen im Sozialraum gut vernetzen? Welche Rolle spielten Eltern, Sorgeberechtigte und das pädagogische Personal der Schule im gemeinsamen Schutzauftrag?
Der Workshop bot Raum, das Praxisbeispiel mit eigenen Erfahrungen zu verknüpfen und gemeinsam praxisnahe Ansätze für eine abgestimmte, kindeswohldienliche und inklusive Zusammenarbeit zu entwickeln.

Marit Sammet, Dipl . Sozialpädagogin / Sozialarbeiter in(FH) / Fachmentorin für tiergestützte Intervention (Hund) / Kinderschutzfachkraft / PART–Trainerin® / Systemische Therapeutin

9 - Diskriminierung erkennen und handeln. Fokus: Kinder mit Behinderung

Beschreibung

In diesem Workshop setzten sich die Teilnehmenden mit verschiedenen Formen von Diskriminierung auseinander, die Kinder mit Behinderung im Alltag, in Bildungseinrichtungen und in ihrem sozialen Umfeld erfahren können. Ziel war es, das Bewusstsein für bewusste und unbewusste Ausgrenzungsmechanismen zu schärfen und konkrete Handlungsstrategien zu entwickeln, um diesen aktiv entgegenzuwirken.
Thematisiert wurden Erscheinungsformen von Alltagsdiskriminierung, die häufig unbemerkt oder unerkannt bleiben, sowie die Reflexion eigener Haltungen und institutioneller Strukturen. Darüber hinaus wurden Handlungsmöglichkeiten für Fachkräfte, Pädagog_innen und Bezugspersonen erarbeitet und gemeinsam diskutiert.

Dr. Anyela Urrego (sie/ihr), Bereich Bildungsarbeit beim Antidiskriminierungsbüro Sachsen e.V.

10 - Prävention sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche mit Behinderungen

Beschreibung

In diesem Workshop setzten sich die Teilnehmenden mit verschiedenen Formen von Diskriminierung auseinander, die Kinder mit Behinderung im Alltag, in Bildungseinrichtungen und in ihrem sozialen Umfeld erfahren können. Ziel war es, das Bewusstsein für bewusste und unbewusste Ausgrenzungsmechanismen zu schärfen und konkrete Handlungsstrategien zu entwickeln, um diesen aktiv entgegenzuwirken.
Thematisiert wurden Erscheinungsformen von Alltagsdiskriminierung, die häufig unbemerkt oder unerkannt bleiben, sowie die Reflexion eigener Haltungen und institutioneller Strukturen. Darüber hinaus wurden Handlungsmöglichkeiten für Fachkräfte, Pädagog_innen und Bezugspersonen erarbeitet und gemeinsam diskutiert.

Christiane Henschker- Bringt , Dipl. Sozialpädagogin (FH), System-. Paar- und Familientherapeutin (DGSF), Insoweit erfahrene Fachkraft (Spezialisierung sexualisierte Gewalt), Landesarbeitsgemeinschaft Sexualisierte Gewalt – Prävention und Intervention in Sachsen e.V.

Liebe Teilnehmende,

wir bedanken uns herzlich bei Ihnen allen für Ihr Interesse, Ihre engagierte Mitwirkung und den offenen fachlichen Austausch. Unser besonderer Dank gilt den Referent_innen und Workshopleitungen, die ihr Wissen, ihre Erfahrungen und wertvolle Impulse mit uns geteilt haben.

Ebenso danken wir den vielen Unterstützer_innen im Hintergrund, die mit ihrem Einsatz vor und während der Veranstaltung zum Gelingen dieses Fachtags beigetragen haben.

Der Fachtag hat gezeigt: Inklusiver Kinderschutz gelingt nur gemeinsam. Wir freuen uns, wenn die entstandenen Kontakte, Ideen und Diskussionen über diesen Tag hinaus wirken.

Vielen Dank von den Kooperationspartner_innen

Nach oben scrollen