Siebenjähriger Ahmad wird von Polizei aus Grundschule abgeholt

runder tisch 2019In der letzten Woche haben wir aus den Medien erfahren müssen, dass in Delitzsch bei Leipzig eine Familie nach Polen abgeschoben worden ist. Die Mutter, ihr siebenjähriger Sohn und dessen Großmutter wurden von der Polizeidirektion Leipzig und der Bundespolizei dorthin überstellt. Entsetzt hat uns die Tatsache, dass der Junge laut Berichten direkt von der Grundschule auf dem Weg zum Hort vor den Augen seiner Mitschülerinnen und Mitschüler ohne mütterliche Begleitung abgeholt wurde. Das ist für uns eine unmittelbar kindeswohlgefährende Situation für das Kind.

 

Diese hätte mit entsprechender Sensibilität der agierenden Behörden vermieden werden können.

 

Als Kinderschutzbund setzen wir uns uneingeschränkt für die Rechte und den Schutz für Kinder und deren Familien ein. Daher haben wir 2019/2020 in einer Arbeitsgruppe in Meißen an "Empfehlungen zur interdisziplinären Zusammenarbeit im Rahmen aufenthaltsbeendender Maßnahmen im Landkreis Meißen" mitgearbeitet. Mit diesen abgestimmten Vorgehensweisen sollen auch in schwierigen Situationen der Schutz von Kindern und die Kinderrechte umgesetzt werden, wenn aufenthaltsbeendende Maßnahmen anstehen. Dieses Ziel ist auch im Koalitionsvertrag der sächsischen Regierungskoalition festgehalten. Es geht darum, die Rückführung von Erwachsenen und Kindern menschenrechtswirksam und unter besonderer Berücksichtigung des Kindeswohls zu gestalten.

 

Wir fordern, dass alle Landkreise und kreisfreien Städte entsprechende Handlungs- oder Rückführungsleitfaden, wie z.B. der Landkreis Meißen oder die Stadt Dresden haben, entwickeln und interdisziplinär zur Anwendung bringen.

 

Friderun Hornschild, Referentin für Bildung beim Paritätischen Landesverband Sachsen hat Ihre Sicht auf das oben beschriebene Ereignis in einem sehr lesenswerten Beitrag kommentiert: https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/kommentar-abschiebung-vs-kindeswohl