„Ein Klaps auf den Hintern hat noch niemandem geschadet?“ - Studie veröffentlicht

Bild220 Jahre gewaltfreie Erziehung im BGB - „Aktuelle Einstellungen zu Körperstrafen und elterliches Erziehungsverhalten in Deutschland“. Ein Blick auf Veränderungen seit der parlamentarischen Entscheidung von 2000

 

Am 19.11.2020 veröffentlichte Studie des Universitätsklinikums Ulm, in Kooperation mit Unicef und DKSB e.V., erfasst die aktuelle gesellschaftliche Haltung gegenüber Körper¬strafen in der Erziehung, basierend auf einer im Jahr 2020 durchgeführten be¬völkerungsrepräsentativen Umfrage (N = 2.503) zu den Themen Einstellungen und Akzeptanz von Körperstrafen in der Erziehung; sowie selbst erlebte Körperstrafen und emotionale Gewalt in der Kindheit, und des generellen Erziehungsverhal¬tens durch die eigenen Eltern. Dabei werden die aktuellen Daten mit Studien aus den letzten 20 Jahren verglichen und zudem hinsichtlich möglicher Ein¬flussfaktoren wie etwa dem Geschlecht der Befragten, der Altersgruppe (14-30 vs. 31-60 vs. 61-95), der Staatsangehörigkeit (Deutsch vs. nicht Deutsch) sowie des Äquivalenzhaushaltseinkommens analysiert. Des Weiteren wird die in der Fachliteratur oft beschriebene transgenerationale Weitergabe von kör¬perlicher Gewalt („Teufelskreis der Gewalt“ bzw. „Cycle of Violence“) genauer untersucht.

 

Im zeitlichen Verlauf und Vergleich zu anderen Studien zeigt sich ein deutlicher Rückgang der angewendeten bzw. als angebracht empfundenen Körperstra¬fen in den letzten 20 Jahren. In den Jahren von 2016 bis 2020 veränderten sich diese Zahlen nur noch gering. Aber die Prozent¬zahl der Erwachsenen, die körperliche Bestrafung als angebracht erachten, befin¬det sich nach wie vor auf einem Plateau, wobei gerade die Zustimmung zu „leichteren Körperstrafen“ wie den Klaps auf den Po oder eine leichte Ohrfeige immer noch über der 40%-Marke liegt. Interessant ist, dass die transgenerationale Weitergabe von Gewalterfahrungen und dem Umgang damit durch die neuen Studienergebnisse belegt wird. Belegt wird durch diese Studie allerdings nicht die Abhängigkeit einer Zustimmung zu Gewaltanwendungen in der Erziehung von Staatsangehörigkeit oder dem Haushaltseinkommen der Befragten.

 

Der DKSB e.V. stellt als Forderungen aus den Studien-Ergebnissen folgenden Dreiklang auf: Es muss nach wie vor ein Bewusstseinswandel durch Prävention erreicht werden: Aufklärung, Information und Elternbildung wie z.B. durch die Elternkurse SESK® sind wichtig, um das noch hohe Plateau von 40% Zustimmung zu „leichten“ Formen der Gewalt noch intensiver abzuflachen. Als weitere Forderung – gerade auch im Kontext des morgigen Tages der Kinderrechte- ist es notwendig, die Kinderrechte noch intensiver zu stärken und sie in die Verfassung zu bringen.  Als dritte Forderung ist es notwendig, evidenzbasierte Forschungsergebnisse bereitzustellen und die Bemühungen um Studien in Quer- und Längsschnitt zu befördern.


Hier finden Sie die Studienergebnisse zum Nachlesen: https://www.dksb.de/de/artikel/detail/studie-jeder-sechste-haelt-ohrfeigen-in-der-erziehung-fuer-angebracht/