Internationaler Tag gegen Drogenmissbrauch am 26.06.2020

pixabay.com child 830725Friederike, 8 Jahre alt, ist ein meist fröhliches Kind, das anderen Kindern in der Schule bei den Hausaufgaben hilft, für gute Laune im Unterricht sorgt, den Lehrkräften zur Hand geht und bei Klassenfahrten bei der Vorbereitung hilft. Was niemandem auffällt: Die Mutter von Friederike konsumiert Alkohol und Cannabis in hohem Ausmaß. D.h. sie hat oft mit dem eigenen Tagesablauf zu kämpfen, schläft morgens lang. Auch für den Einkauf und das Mittagessen der Familie kann die Mutter trotz guten Willens häufig nicht sorgen.
Friederike liebt ihre Mutter über alles und hilft ihr so gut sie kann im Haushalt, erinnert die Mutter an Termine, steht morgens selbständig auf, um zur Schule zu gehen, geht nach dem Unterricht einkaufen oder kocht manchmal das Essen für die Familie. Das Leben ist für Friederike schwer. Sich auch einmal mit Freunden zu treffen, ihren Hobbies nachzugehen oder einfach mal die Seele baumeln zu lassen und zu spielen kennt sie kaum.

 

Die seelischen und körperlichen Bedürfnisse nach Halt, Fürsorge und Unterstützung von Friederike können bedingt durch die Suchterkrankung der Mutter nur mit Unterstützung von außen erfüllt werden. Und genau hier liegt noch vieles im Argen. Gerade jetzt in der Pandemie wird dies umso deutlicher. Trotz aller Bemühungen in den letzten Jahren greifen die Ansätze für die frühzeitige und langfristige Unterstützung der seelisch belasteten Kinder, vor allem zwischen 6 und 12 Jahren, nach wie vor zu kurz.


Als Sächsischer Kinderschutzbund wollen wir am heutigen Internationalen Tag gegen Drogenmissbrauch erneut auf die Lage der Kinder in suchtbelasteten Familien hinweisen: In der derzeitigen Pandemie, in der eine Anzahl von Familien nicht von Hilfesystemen erreicht und Kinder und Jugendlichen nicht durch Kita, Hort, Schule und Sportverein mit in den Blick genommen wurden, fielen viele durch das Hilfenetz. Familien mit ihren Nöten bleiben öfter unbemerkt, die Kinder bleiben durch den Suchtmittelkonsum ihrer Eltern bedingt ohne eine Unterstützung, weder durch die Familie noch in Kita, Schule und Hort.

 

Diese Kinder benötigen Unterstützung. Dazu bedarf es der Information und der Sensibilisierung aller für das Thema sowie einer ausreichenden Fortbildung der Fachkräfte wie Erzieher_innen, Lehrer_innen und Sportleitungen. Erst, wenn auch diese Erwachsenen mit auf die Lage der Kinder schauen, kann ihnen in der Regel schneller geholfen werden.

 

Wenn Sie wissen wollen, woran man erkennt, dass Familien ein Suchtproblem haben, dass Kinder Hilfe benötigen oder wie Sie gute Unterstützung leisten, können Sie sich gerne bei unserer Fortbildung „Kindern Halt geben- wenn die Sucht der Eltern im Vordergrund steht“ anmelden.

 

Wenden Sie sich in Notlagen auch an die Hotlines des Bundesbeauftragten gegen sexuellen Kindesmissbrauch unter 0800 22 55 530 oder www.kein-kind-alleine-lassen.de sowie an die Kinder-/Jugend- und Elterntelefone „Nummer gegen Kummer“ Tel: 116111.