Auswertung der Statistik der Kinder- und Jugendtelefone sowie der Elterntelefone in Sachsen 2018

schnappschuss zusammf. kjt et 2018Dem DKSB LV Sachsen e.V. liegen die statistischen Angaben zur Beratungsarbeit an den niederschwelligen Beratungsangeboten Kinder- und Jugendtelefon (KJT) und Elterntelefon (ET) im Jahr 2018 vor. Alle grundlegenden Informationen zu den Angeboten finden Sie auf unseren Seiten.

 

Die detaillierte Statistik der sächsischen Kinder- und Jugend- sowie der Elterntelefone für das Jahr 2018 finden Sie im Downloadbereich. Diese wurden erstellt vom Bundesverband Nummer gegen Kummer e.V.

 

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Kinder- und Jugendtelefone

 

An den 7 sächsischen KJT nahmen die ausgebildeten ehrenamtlichen Berater/-innen vergangenes Jahr 32.512 Anrufe (2017: 37.483) entgegen. Der Rückgang hat vielfältige Gründe:

 

  • verändertes Nutzerverhalten von Kindern und Jugendlichen – verstärkter Austausch über Internetplattformen und Chats,
  • ehrenamtliche Berater/-innen sind schwieriger zu gewinnen und zu binden (viele Bereiche suchen Ehrenamt, hohe Verbindlichkeit und Mobilität gefordert),
  • die absolut kontinuierliche Weiterleitung der Anrufenden bei Nichterreichbarkeit der Telefone war nicht immer gegeben, erst mit der Umstellung der Telefonschaltung auf die ACD-Technik Anfang Dezember 2018 gibt es wieder eine kontinuierliche Steigerung der Anrufzahlen

An den zwei Standorten Jugendliche beraten Jugendliche wurden außerdem 2134 Anrufe entgegengenommen und 732 intensive Beratungsgespräche geführt. Außerdem konnten 676 Anliegen in der E-Mail-Beratung an zwei Standorten geklärt werden. Mit den rund 32.500 Anrufen erbringen die sächsischen KJT rund 11,8 % der Beratungsleistungen im Bundesgebiet.

 

Von den angenommenen Anrufen waren es 9110 intensive Gespräche zu Alltags- und Entwicklungsproblemen der Kinder und Jugendlichen. Das KJT nutzten 34,6% Mädchen und junge Frauen und 64,8% Jungen und junge Männer der Altersgruppe von 10 bis 18 Jahren. Erfreulich ist, dass sich der Anteil der männlichen Zielgruppen weiter erhöht hat. In den meisten Beratungsgesprächen ging es um die Klärung von Problemen/Themen, um Aussprache und Information. Folgende Themenbereiche wurden angesprochen:

 

Themenbereiche

Häufigkeit pro Bereich

Gespräche in %

Psychosoziale Probleme und Gesundheit

3.791

41,6%

Sexualität

2.659

29,2%

Partnerschaft und Liebe

1.623

17,8,%

Probleme in der Familie

1.579

17,3 %

Schule /Ausbildung /Beruf

1.102

12,1 %

Freundeskreis und Peergruppe

801

8,8 %

Gewalt und Missbrauch

843

9,3 %

Spezielle Lebenssituation /sozialpolitische Themen

613

6,7 %

Sucht / selbstgefährdendes Verhalten

538

5,9 %

 

Bei den besprochenen Themen gab es im Vergleich zum Vorjahr meist etwa die gleiche Häufigkeit. Im Bereich psychosoziale Probleme und Gesundheit gab es eine Zunahme um knapp 2%. Schwerpunkte waren dabei Langeweile, Einsamkeit und psychische Belastungen sowie Krankheit und Behinderung. Auch in Bereich Gewalt und Missbrauch gab es einen Anstieg von 1,5%. Sexueller Missbrauch und körperliche Gewalt sind dabei die am häufigsten angesprochenen Bereiche.

 

Das Kinder- und Jugendtelefon wird natürlich auch von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund genutzt. Dies lässt sich aber nicht mehr vordergründig durch die Sprache feststellen. Aus diesem Grund werden von den Berater/-innen hier nur Angaben gemacht, wenn die Anrufenden sich selbst darauf beziehen oder wenn das Gespräch eindeutig einen Rückschluss zulässt. Dies lag im vergangenen Jahr verlässlich bei 3,7% der anrufenden Kinder vor.

 

Das Kinder- und Jugendtelefon hat sowohl einen direkten als auch einen präventiven Hilfecharakter und ist häufig eine erste Kontaktstelle zur Vermittlung weiterer Hilfen im psychosozialen Netz Deutschlands. In 4.085 Beratungen (44,8%) wurde den Kindern und Jugendlichen empfohlen, sich auch nochmals mit vertrauten Personen aus dem engeren Umfeld, z.B. mit Freundinnen/Freunden, Familienangehörigen, Jugendleitern, etc. zu besprechen.

 

Aufgrund der speziellen Problemlagen oder Lebenssituation erschien es in 1.749 Gesprächen mit Kindern und Jugendlichen darüber hinaus notwendig, noch auf weitergehende Hilfen aufmerksam zu machen. Die Anrufenden wurden über die verschiedenen Einrichtungen und deren Angebote informiert und ermutigt, Kontakt aufzunehmen. Insgesamt wurde also in 19,2% aller Beratungen mit den anrufenden Kindern und Jugendlichen vereinbart bzw. ihnen empfohlen, sich zur weiteren Klärung ihrer Probleme/Fragen noch an eine andere Einrichtung oder Institution zu wenden. Die meisten Empfehlungen waren sich an Vertrauenslehrer an den Schulen und therapeutische Hilfsangebote zu wenden.

 

Dies zeigt, wie notwendig unser Beratungsangebot ist und machen außerdem deutlich, dass Kinder und Jugendliche wissen, dass ihnen beim KJT zugehört wird und sie sich angenommen fühlen.

 

 

NgK ET RGB.jpegElterntelefone

 

An den 4 sächsischen Elterntelefonen nahmen die ausgebildeten ehrenamtlichen Berater/-innen vergangenes Jahr 1.755 Anrufe entgegen. Die Gespräche wurden vorwiegend von den Standorten Leipzig, Dresden und Radebeul entgegengenommen. Der Standort Zwickau befindet sich im Wiederaufbau und es müssen neue Berater und Beraterinnen ausgebildet werden.

 

Von den 1.755 angenommenen Anrufen waren 754 intensive Gespräche zu Alltags- und Erziehungsfragen der Eltern und anderer an der Erziehung Beteiligter. Das Angebot nutzten 72,3 % Frauen und 27,1% Männer. Leider stagnierte die Anzahl der männlichen Nutzer im letzten Jahr. Am intensivsten nutzten mit 61,4% die 30 bis 44-jährigen das Elterntelefon. 52,7% aller Anrufenden haben sich erstmalig an die Elterntelefone gewandt. Das ist eine Steigerung um 4% und macht deutlich, dass das Elterntelefon immer bekannter wird.

 

Das Elterntelefon wird, soweit sich dies über die Sprache erkennen lässt bzw. es thematisiert wird, auch von Anrufenden mit Migrationshintergrund genutzt. Dieser lag erkennbar bei 6,8% vor.

 

Besonders häufig haben die Anrufenden Probleme mit ihrer Erziehungssituation und Fragen zu erzieherischen Problemen. Oft werden auch Probleme mit Behörden, Gesetzen und anderen Personen thematisiert. Ein weiteres starkes Motiv für einen Anruf am Elterntelefon sind Sorgen hinsichtlich spezifischer Auffälligkeiten von Kindern. Folgende Themenbereiche wurden angesprochen:

 

Themenbereiche

Gespräche in % 2018

Gespräche in % 2017

Eigene Probleme

69,0%

72,1%

Erziehung/ Familie

55,4%

50,1%

Probleme mit Personen und Behörden

53,1%

44,7%

Psychische Probleme / Gesundheit

39,4%

36,3%

Alltagsprobleme

40,3%

35,0%

Information / Auskunft

37,9%

33,0%

Soziale Beziehungen

32,2%

30,0%

Gewalt

21,6%

20,0%

Kita / Schule / Beruf

25,7%

19,9%

 

Im Vergleich zum Vorjahr wurden die Themen zu Erziehung und Familie deutlich mehr nachgefragt. Auch die Anliegen im Bereich Probleme mit Personen und Behörden nahm deutlich zu. Deutlich mehr Anrufer und Anruferinnen wendeten sich außerdem mit Problemen des Kindes in Kindergarten, Schule und Beruf an das Elterntelefon.

 

Durch die geführten Gespräche konnte den meisten Anrufenden geholfen werden. Dies geschah entweder durch die gemeinsame Bearbeitung des Problems (55%), durch die Möglichkeit, sich am Elterntelefon auszusprechen und damit zu entlasten (30,4%) oder durch die Vermittlung von Informationen (11,1%). In 3,4% der Beratungsgespräche war weder Unterstützung noch persönliche Aussprache erwünscht bzw. möglich.

 

Das Elterntelefon als niedrigschwelliges telefonisches Beratungs- und Hilfsangebot sieht eine wichtige Aufgabe darin, Hilfesuchende auch auf andere Einrichtungen und Hilfsangebote hinzuweisen. Insgesamt wurden in 57,6% aller Beratungsgespräche die Anrufenden motiviert bzw. ihnen empfohlen, sich zur weiteren Klärung ihrer Probleme/Fragen noch an eine andere Einrichtung oder Institution zu wenden.

 

Die detailierten Einzelstatistiken können Sie sich hier herunter laden laden. Dieses Zusammenfassung als PDF finden Sie hier.

 

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