Auswertung der Statistik der Kinder- und Jugendtelefone sowie der Elterntelefone in Sachsen 2017

Dem DKSB LV Sachsen e.V. liegen die statistischen Angaben zur Beratungsarbeit an den niederschwelligen Beratungsangeboten Kinder- und Jugendtelefon (KJT) und Elterntelefon (ET) im Jahr 2017 vor. Alle grundlegenden Informationen zu den Angeboten finden Sie auf unseren Seiten.

Die detaillierte Statistik der sächsischen Kinder- und Jugend- sowie der Elterntelefone für das Jahr 2017 finden Sie im Downloadbereich. Diese wurde erstellt vom Bundesverband Nummer gegen Kummer e.V.

 

Kinder- und Jugendtelefone

NgK KJ RGB.jpegAn den 7 sächsischen KJT nahmen die ausgebildeten ehrenamtlichen Berater/-innen vergangenes Jahr 37.483 Anrufe (2016: 43.484) entgegen. Der Rückgang hat vielfältige Gründe:

 

  • verändertes Nutzerverhalten von Kindern und Jugendlichen – verstärkter Austausch über Internetplattformen und Chats,
  • Ehrenamtliche Berater/-innen sind schwieriger zu gewinnen und zu binden (viele Bereiche suchen Ehrenamt, hohe Mobilität und Flexibilität gefordert),
  • lange krankheitsbedingte Ausfälle oder Wechsel von Koordinator/-innen wirken sich auf die Gruppe ehrenamtlicher Mitarbeiter/-innen aus.

An den zwei Standorten Jugendliche beraten Jugendliche wurden zusätzlich 895 Anrufe entgegengenommen und 317 intensive Beratungsgespräche geführt. Außerdem konnten 676 Anliegen in der E-Mail-Beratung an zwei Standorten geklärt werden. Mit den rund 38.000 Anrufen erbringen die sächsischen KJT rund 10,8 % der Beratungsleistungen im Bundesgebiet.

 

Von den angenommenen Anrufen waren es 11.112 intensive Gespräche zu Alltags- und Entwicklungsproblemen der Kinder und Jugendlichen. Das KJT nutzten 38,2% Mädchen und junge Frauen und 61% Jungen und junge Männer der Altersgruppe von 10 bis 18 Jahren. Erfreulich ist, dass sich der Anteil der männlichen Zielgruppen erhöht hat. In den meisten Beratungsgesprächen ging es um die Klärung von Problemen/Themen, um Aussprache und Information. Folgende Themenbereiche wurden angesprochen:

 

Themenbereiche

Häufigkeit pro Bereich

Gespräche in %

Psychosoziale Probleme und Gesundheit

4.422

39,8%

Sexualität

3.353

30,2%

Partnerschaft und Liebe

2.084

18,8%

Probleme in der Familie

1.978

17,8 %

Schule /Ausbildung /Beruf

1.220

11,0 %

Freundeskreis und Peergruppe

1.136

10,2 %

Gewalt und Missbrauch

966

8,7 %

Spezielle Lebenssituation /sozialpolitische Themen

674

6,1 %

Sucht / selbstgefährdendes Verhalten

621

5,6 %

 

Im Vergleich zum Vorjahr gab es etwa die gleiche Häufigkeit bei den Themen. Nur im Bereich psychosoziale Probleme und Gesundheit gab es eine Zunahme um über 3%. Schwerpunkte waren dabei Langeweile, Einsamkeit und psychische Belastungen sowie Krankheit und Behinderung. Bei den Themen Freundeskreis und Peergruppe ging es vordergründig um Spott, Ausgrenzung und Ärger. Im Bereich Gewalt und Missbrauch gab es einen leichten Rückgang um rund 1%.

 

Das Kinder- und Jugendtelefon wird natürlich auch von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund genutzt. Dies lässt sich aber nicht mehr vordergründig durch die Sprache feststellen. Aus diesem Grund werden von den Berater/-innen hier nur Angaben gemacht, wenn die Anrufenden sich selbst darauf beziehen oder wenn das Gespräch eindeutig einen Rückschluss zulässt. Dies lag im vergangenen Jahr verlässlich bei 3,4% der anrufenden Kindern (379) vor (28,2% unbekannt).

 

Das Kinder- und Jugendtelefon hat sowohl einen direkten als auch einen präventiven Hilfecharakter und ist häufig eine erste Kontaktstelle zur Vermittlung weiterer Hilfen im psychosozialen Netz Deutschlands. In 5.169 Beratungen (46,5%) wurde den Kindern und Jugendlichen empfohlen, sich auch nochmals mit vertrauten Personen aus dem engeren Umfeld, z.B. mit Freundinnen/Freunden, Familienangehörigen, Jugendleitern, etc. zu besprechen.

 

Aufgrund der speziellen Problemlagen oder Lebenssituation erschien es in 2.127 Gesprächen mit Kindern und Jugendlichen darüber hinaus notwendig, noch auf weitergehende Hilfen aufmerksam zu machen. Die Anrufenden wurden über die verschiedenen Einrichtungen und deren Angebote informiert und ermutigt, Kontakt aufzunehmen. Insgesamt wurde also in 19,1% aller Beratungen mit den anrufenden Kindern und Jugendlichen vereinbart bzw. ihnen empfohlen, sich zur weiteren Klärung ihrer Probleme/Fragen noch an eine andere Einrichtung oder Institution zu wenden.

 

Dies zeigt, wie notwendig unser Beratungsangebot ist und machen außerdem deutlich, dass Kinder und Jugendliche wissen, dass ihnen beim KJT zugehört wird und sie sich angenommen fühlen.

 

Elterntelefone

NgK ET RGB.jpegAn den 4 sächsischen Elterntelefonen nahmen die ausgebildeten ehrenamtlichen Berater/-innen vergangenes Jahr 1.973 Anrufe entgegen. Dieses Ergebnis ist den drei Standorten Leipzig, Dresden und Radebeul zu verdanken. Der Rückgang von 1509 Anrufen lässt sich hauptsächlich durch den Langzeitausfall und Rentenübergang der langjährigen Koordinatorin am Standort Zwickau erklären. Die Arbeit der Ehrenamtlichen am Elterntelefon war dadurch zum Erliegen gekommen. Das Projekt wird seitdem neu aufgebaut.

 

Von den 1.973 angenommenen Anrufen waren 816 intensive Gespräche zu Alltags- und Erziehungsfragen der Eltern und anderer an der Erziehung Beteiligter. Das Angebot nutzten 70,6 % Frauen und 28,3% Männer. Erfreulich ist, dass die Anzahl der männlichen Nutzer zugenommen hat. Am intensivsten nutzten mit 53,3% die 30 bis 44-jährigen das Elterntelefon. 48,5% aller Anrufenden haben sich erstmalig an die Elterntelefone gewandt.

 

Das Elterntelefon wird, soweit sich dies über die Sprache erkennen lässt bzw. es thematisiert wird, auch von Anrufenden mit Migrationshintergrund genutzt. Dieser lag erkennbar bei 7,5% vor.

 

Besonders häufig haben die Anrufenden Probleme mit ihrer Erziehungssituation und Fragen zu erzieherischen Problemen. Oft werden auch Probleme mit Behörden, Gesetzen und anderen Personen thematisiert. Ein weiteres starkes Motiv für einen Anruf am Elterntelefon sind Sorgen hinsichtlich spezifischer Auffälligkeiten von Kindern. Folgende Themenbereiche wurden angesprochen:

 

Themenbereiche

Gespräche in % 2017

Gespräche in % 2016

Eigene Probleme

72,1%

75,6%

Erziehung/ Familie

50,1%

49,0%

Probleme mit Personen und Behörden

44,7%

44,5%

Psychische Probleme / Gesundheit

36,3%

30,1%

Alltagsprobleme

35,0%

29,0%

Information / Auskunft

33,0%

25,9%

Soziale Beziehungen

30,0%

30,1%

Gewalt

20,0%

23,6%

Kita / Schule / Beruf

19,9%

30,2%

 

Im Vergleich zum Vorjahr gab es in den Themenbereichen Psychische Probleme / Gesundheit, Alltagsprobleme, Information / Auskunft eine auffällige Zunahme der Anrufe. In Kita/Schule/Beruf, Gewalt und eigene Probleme gab es einen erkennbaren Rückgang.

 

Durch die geführten Gespräche konnte den meisten Anrufenden geholfen werden. Dies geschah entweder durch die gemeinsame Bearbeitung des Problems (46,6%), durch die Möglichkeit, sich am Elterntelefon auszusprechen und damit zu entlasten (36%) oder durch die Vermittlung von Informationen (13%). In 4,4% der Beratungsgespräche war weder Unterstützung noch persönliche Aussprache erwünscht bzw. möglich.

 

Das Elterntelefon als niedrigschwelliges telefonisches Beratungs- und Hilfsangebot sieht eine wichtige Aufgabe darin, Hilfesuchende auch auf andere Einrichtungen und Hilfsangebote hinzuweisen. Insgesamt wurden in 49,9% aller Beratungsgespräche die Anrufenden motiviert bzw. ihnen empfohlen, sich zur weiteren Klärung ihrer Probleme/Fragen noch an eine andere Einrichtung oder Institution zu wenden.

 

Die detailierten Einzelstatistiken können Sie sich hier herunter laden. Dieses Zusammenfassung als PDF finden Sie hier.

 


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