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Internationale Konferenz „Migration als Chance - Die Arbeit mit Flüchtlingskindern und ihren Familien 2016

Gruppenfoto intern. Konferenz DD 2Etwa 50 Fachleute, welche haupt- und ehrenamtlich in den Bereichen Jugendhilfe, Schule, Kindertagesstätten und Gesundheit in den Regionen Sachsen, Usti nad Labem und Niederschlesien arbeiten, trafen sich am 22.10.2016 zur 24. Internationalen Jahresarbeitstagung in der Evangelischen Hochschule Dresden. Das Interesse am fachlichen Blick über die Ländergrenzen war groß und so tauschten sich die polnischen, tschechischen und deutschen Akteure über die Rahmenbedingungen der Flüchtlingsarbeit in ihren Ländern und Regionen sowie ihre professionelle Haltung aus.

 

Die Tagung wurde durch Prof. Ullrich Gintzel seitens des Kinderschutzbundes als Veranstalter eröffnet. Nach den Begrüßungsworten durch den Sächsischen Ausländerbeauftragten, Geert Mackenroth, führten Michaela Gloger und Prof. Harald Wagner mit ihrem einleitenden Vortrag „Die Angst vor Fremden! Neugier auf Fremdes?“ in die wissenschaftliche Sicht auf Ausgrenzung von Einzelnen und von Gruppen durch Gruppenzuschreibungen und Kategorisierungen ein. Gleichzeitig beschrieben sie Aspekte des gelingenden Ansatzes der Überwindung dieser Stereotypisierung und gingen auf Möglichkeiten der integrativen interkulturellen Arbeit ein.

 

internationale Konferenz 98 web 2Als Mitarbeiterin einer Beratungs- und Unterstützungsstelle für Flüchtlinge im Kreis Usti nad Labem beschrieb Daniela Hrdličková das System der Unterstützung von Migrantinnen und Migranten und Formen der Zusammenarbeit in der Tschechischen Republik. Sie berichtete, dass die Hauptherkunftsländer Syrien, Kuba und die Ukraine sind und deren Zahl der Migrantinnen und Migranten weit hinter den in Deutschland liegt. Trotzdem die Tschechische Republik ein überarbeitetes Flüchtlingskonzept hat, stoßen die Schutzsuchenden auf viele Vorurteile in der Bevölkerung. Die Organisationen in der Flüchtlingsarbeit müssen regelmäßig ihre Arbeit rechtfertigen und Ziele erklären, um für Verständnis zu sorgen.

 

internationale Konferenz J. PawlowskiDem schloss sich der Vortrag zur Einwanderung aus Sicht der Familie und das Potential der Integration am Beispiel Polens von Józef Pawłowski, Vorstandsmitglied des polnischen Komitees für Kinderrechte in Jelenia Gora, an. Auch er beschrieb die relativ geringen Migrantenzahlen, hier vor allem aus den ehemaligen Sowjetrepubliken (Weißrussland, Ukraine, etc.). Dabei ist Polen vor allem ein Transitland und damit verbinden sich nach seiner Aussage verschiedene Typen der Migrationsformen: Migranten, die Ihre Familien zeitlich begrenzt für die Arbeit in Europa verlassen; Migranten, die als Familie zum Arbeiten auswandern und Migranten, die in den Zielstaaten eine neue Familie gründen wollen.

 

internationale Konferenz Chr. KochChristina Koch vom Vorstand des sächsischen Kinderschutzbundes beschrieb in ihrem Vortrag den Prozess des Ankommens und die strukturellen Unterstützungen für Migrantenfamilien in Deutschland und Sachsen. Vor den Herausforderungen der großen Zahl ankommender Flüchtlinge im Jahr 2015, zeigte sie die Schritte der Erstaufnahme, der Weiterleitung der Familien in die Aufnahmezentren der Bundesländer und den Ablauf des Asylverfahrens sowie Möglichkeiten der Wahrnehmung der Rechte durch Asylbewerber. Sie wandte sich auch der zahlenmäßig starken Gruppe unbegleiteter minderjährigen Asylbewerber und deren Integration im Rahmen des achten Sozialgesetzbuches zu.

 

internationale Konferenz 85 webAm Nachmittag fanden zwei Arbeitsgruppen, jeweils wieder mit simultaner Übersetzung, statt. Im Workshop I wurde sich über das Ankommen von Kindern und Familien und der Frage, welche Unterstützung sie benötigen, ausgetauscht. Unter der Moderation durch Jörg Eichler vom Sächsischen Flüchtlingsrat e.V., unterstützt durch Marika Müller vom DKSB Landesverband, setzten sich die Teilnehmer/-innen mit den strukturellen Rahmenbedingungen und Erfahrungen in den verschiedenen Bereichen wie Gemeinwesen, Freizeit, Schule, Jugendhilfe, Kita, etc. auseinander und  beschrieben Schwierigkeiten, aber auch Erfolge, die sie in ihrer Arbeit hatten.

 

internationale Konferenz 139 webDer Workshop II stand unter dem Thema: Kulturelle Vielfalt und kulturelle Kompetenzen – Welches Selbstverständnis benötigen Organisationen und Mitarbeiter/-innen? Dieser wurde Swetlana Kreismann, Leiterin Kita Kleiner Globus des Ausländerrates Dresden e.V., sowie dem Mitarbeiter Julius Rösler moderiert. Beide stellten den Zuhörern die Struktur und die Arbeit in dieser mehrsprachigen Integrationskita vor. Vor der Fragestellung, was eine solche Kita und deren Mitarbeiter/-innen für eine erfolgreiche Arbeit brauchen, gingen sie detailliert auf die förderlichen Aspekte der interkulturellen Arbeit und auf die Herausforderungen, gerade in der Finanzierung einer solchen Struktur, ein. Die Teilnehmer/-innen der Arbeitsgruppe ergänzten noch einmal weitere Aspekte.

 

Den Abschluss bildeten die kurzen Präsentationen aus den Workshops durch Marika Müller und Olaf Boye im Plenum, sowie die Abschlussworte durch Prof. Ullrich Gintzel. Er lud alle Beteiligten zur Weiterarbeit an diesem Thema in ihren Organisationen, aber gern auch im gemeinsamen Austausch ein.

 

 


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