Auswertung der Statistik der Kinder- und Jugendtelefone und Elterntelefone in Sachsen 2016

NgK KJ RGBDem DKSB LV Sachsen e.V. liegen die statistischen Angaben zur Beratungsarbeit an den niederschwelligen Beratungsangeboten Kinder- und Jugendtelefon (KJT) und Elterntelefon (ET) im Jahr 2016 vor. Alle Informationen zu den Angeboten finden Sie auf unseren Seiten.

 

Die ausführlichen Statistiken der sächsischen Kinder- und Jugend- sowie der Elterntelefone für das Jahr 2016 sind erschienen und stehen im Downloadbereich bereit. Hier erhalten Sie eine Kurzübersicht.

Kinder- und Jugendtelefone

An den 7 sächsischen KJT nahmen die ausgebildeten ehrenamtlichen Berater/-innen vergangenes Jahr 43.484 Anrufe entgegen. Dieser Rückgang um rund 6300 Anrufe hat vielfältige Gründe, so u.a. das veränderte Nutzerverhalten der Kinder- und Jugendlichen, in dem Sie verstärkt über Internetplattformen kommunizieren.  Ebenfalls wird es schwieriger, Ehrenamtliche zu gewinnen und zu binden, da Ehrenamt in vielen Bereichen benötigt wird, z. B. in der Flüchtlingsarbeit, so dass Besetzungszeiten nicht durchgängig abgesichert werden können. Nicht zuletzt wirken sich lange krankheitsbedingte Ausfälle von Koordinator/-innen auf das Angebot aus, da dann die Gruppe ehrenamtlicher Mitarbeiter/-innen ohne Führung und Begleitung ist.

An den zwei Standorten Jugendliche beraten Jugendliche wurden zusätzlich 1907 Anrufe entgegengenommen und 735 intensive Beratungsgespräche geführt.  Außerdem konnten 731 Anliegen in der E-Mailberatung an zwei Standorten geklärt werden. Insgesamt erbringen die sächsischen KJT rund 10,2 % der Beratungsleistungen im Bundesgebiet.

Von den angenommenen Anrufen waren es 12.832 intensive Gespräche zu Alltags- und Entwicklungsproblemen der Kinder und Jugendlichen. Das KJT nutzten 40,5% Mädchen und junge Frauen und 58,9 % Jungen und junge Männer der Altersgruppe von 10 bis 18. Erfreulich ist, dass sich der Anteil der männlichen Zielgruppen, die ein Beratungsangebot nutzen, deutlich erhöht hat. In den meisten Beratungsgesprächen ging es um die Klärung von Problemen, um Aussprache und Information.

Folgende Themenbereiche wurden angesprochen:

Themenbereiche

Häufigkeit pro Themenbereich

Gespräche in %

Psychosoziale Probleme und Gesundheit

4.698

36,6%

Sexualität

3.812

29,7%

Partnerschaft und Liebe

2.546

19,8%

Probleme in der Familie

2.184

17,0%

Schule /Ausbildung /Beruf

1.505

11,7%

Freundeskreis und Peergruppe

1.441

11,2%

Gewalt und Missbrauch

1.003

07,8%

Spezielle Lebenssituation /sozialpolitische Themen

0.817

06,4%

Sucht / selbstgefährdendes Verhalten

0.639

05,0%

 

Im Vergleich zum dem Vorjahr gab es etwa die gleiche Häufigkeit bei den Themen. Nur bei dem Thema Gewalt und Missbrauch gab es im Vergleich zum Vorjahr eine leichte Zunahme an Gesprächen.

Erfreulich ist, dass sich die Tendenz verstätigt, dass sowohl Anruferinnen als auch Anrufer sich zu ehemaligen Tabuthemen beraten lassen wollen. Das Kinder- und Jugendtelefon wird natürlich auch von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund genutzt. Dies lässt sich bei Kindern und Jugendlichen aber nicht mehr vordergründig durch die Sprache feststellen. Aus diesem Grund werden von den Berater/-innen hier nur Angaben gemacht, wenn die Anrufenden sich selbst darauf beziehen oder wenn das Gespräch eindeutig einen Rückschluss auf einen vorliegenden Migrationshintergrund zulässt. Danach lag in 2016 verlässlich bei 3,2% der anrufenden Kinder (416) in SACHSEN ein Migrationshintergrund vor und bei 73,1% nicht (23,7% unbekannt).

Viele Kinder und Jugendliche nutzten unser Beratungsangebot als Möglichkeit sich auszusprechen oder einen neutralen Gesprächspartner zu haben, aber auch um Informationen zu einzelnen Themengebieten zu bekommen. In 17,4% aller Beratungen mit den anrufenden Kindern und Jugendlichen wurde vereinbart bzw. ihnen empfohlen, dass sie sich zur weiteren Klärung ihrer Probleme/Fragen noch an eine andere Einrichtung oder Institution wenden mögen.

All diese Kategorien zeigen, wie notwendig unser Beratungsangebot ist und machen außerdem deutlich, dass Kinder und Jugendliche wissen, dass ihnen beim KJT zugehört wird und sie sich angenommen fühlen.

 

NgK ET RGB.jpegElterntelefone

An den 4 sächsischen Elterntelefonen (ET) nahmen die ausgebildeten ehrenamtlichen Berater/-innen vergangenes Jahr 3.482 Anrufe entgegen. In 2015 waren es 2.744. Von den angenommenen Anrufen waren es 1.246 intensive Gespräche zu Alltags- und Erziehungsfragen der Eltern und anderer an der Erziehung Beteiligter. Das ET nutzten 76,2 % Frauen und 22,3% Männer. Am intensivsten nutzten mit 63,1% die 30 bis 44-Jährige das ET. 64,8% aller Anrufenden haben sich erstmalig an die sächsischen Elterntelefone gewandt, um Hilfe und Unterstützung zu erhalten.  Das Elterntelefon wird, soweit sich dies über die Sprache erkennen lässt bzw. innerhalb der Beratung thematisiert wird, auch von 4,7% Bürgern mit Migrationshintergrund genutzt.

Folgende Themenbereiche wurden angesprochen:

Themenbereiche

Gespräche in % 2016

Gespräche in % 2015

Eigene Probleme

75,6%

66,5%

Erziehung/ Familie

49,0%

45,6%

Probleme mit Personen und Behörden

44,5%

42,6%

Kita / Schule / Beruf

30,2%

24,1%

Psychische Probleme / Gesundheit

30,1%

37,2%

Soziale Beziehungen

30,1%

27,7%

Alltagsprobleme

29,0%

35,4%

Information / Auskunft

25,9%

33,7%,

 

Im Vergleich zum Vorjahr gab es in fünf Themenbereichen (fett gedruckt) eine Zunahme der Anrufe. In den drei Themenbereichen Psychische Probleme / Gesundheit, Alltag und Information und Auskunft gab es einen Rückgang.

Anrufe am Elterntelefon haben meist einen vielschichtigen thematischen Hintergrund. Beispielsweise steht die Sorge um das eigene Kind oft in direktem Zusammenhang mit der eigenen (Erziehungs-)Situation und den sich daraus ergebenden Erziehungsproblemen. Oft werden auch Probleme mit Behörden, Gesetzen und anderen Personen thematisiert. Durch die geführten Gespräche konnte den meisten Anrufenden geholfen werden – entweder durch die gemeinsame Bearbeitung des Problems (58,3%) oder durch die Möglichkeit, sich am Elterntelefon auszusprechen und damit zu entlasten (27,4%) oder durch die Vermittlung von Informationen (11,2%). In 3% der Beratungsgespräche war weder Unterstützung noch persönliche Aussprache erwünscht bzw. möglich.

Das Elterntelefon als niedrigschwelliges telefonisches Beratungs- und Hilfsangebot sieht eine wichtige Aufgabe darin, Hilfesuchende auch auf andere Einrichtungen und Hilfsangebote hinzuweisen. Insgesamt wurden in 39,2% aller Beratungsgespräche die Anrufenden motiviert bzw. ihnen empfohlen, sich zur weiteren Klärung ihrer Probleme/Fragen noch an eine andere Einrichtung oder Institution zu wenden.

Alle weiteren Details können Sie den beiden detaillierten Statistiken entnehmen.

 


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